Ein Wunderheiler im Exil
NEWS, 01.02.2001
OLIVIAS ARZT. NEWS fand den per Haftbefehl gesuchten Ryke Geerd Hamer fünfeinhalb Jahre nach dem „Fall Olivia“ in einem Dorf in Spanien.
Wirklich bekannt ist er in seiner neuen Heimat – in Alhaurin el Grande, dem kleinen Bergdorf in Südspanien – nicht. In den Geschäften im Ortszentrum will man ihn noch nie gesehen haben, genauso wenig wie in den Gasthäusern; und selbst in der Polizeistation weiß niemand etwas über „diesen Mann aus Deutschland“, der hier immerhin schon seit zwei Jahren wohnen soll.
„Ein Leben im Exil.“
Aber im Gemeindeamt findet ein junger Beamter nach zweistündiger Suche dann doch ein Meldeformular – der Gesuchte hat es im Juni 1999 ausgefüllt. Und drei Kilometer außerhalb von Alhaurin el Grande, in der kleinen Taverne, die auf dem Schriftstück als „ungefähre Adresse“ verzeichnet ist, erzählt die Wirtin auch gleich von „dem ausländischen Arzt“, der „ganz in der Nähe, irgendwo in den Obstplantagen“ lebt.
Ein kleines, altes Bauernhaus: Das ist jetzt das Zuhause von Ryke Geerd Hamer, 65. Er selbst bezeichnet es als „Exil“, in das er „flüchten musste, weil sich die Welt gegen mich verschworen hat, nach der Olivia-Geschichte“.
Das Schicksal des an einem Nierentumor erkrankten Kindes aus Niederösterreich sorgte vor fünfeinhalb Jahren rund um den Globus für Schlagzeilen: Die Eltern hatten die damals Sechsjährige auf Hamers Rat hin der schulmedizinischen Behandlung entzogen. Letztendlich, nach wochenlanger Flucht vor den Behörden, wurde Olivia dann doch im AKH behandelt. Und geheilt. Hamer sieht das naturgemäß nicht so. „Durch die Chemo- und Strahlentherapie wurden ihrem Körper schwere Schäden zugefügt“, behauptet er – und: „Wäre sie in meiner Obhut geblieben, dann wäre ihre Geschwulst von selbst verschwunden – und sie hätte nicht leiden müssen.“ So wie die „Tausenden weiteren Krebskranken“, die Hamer „gesund gemacht“ haben will.
Haftbefehle in vier Ländern.
Die Gerichte sind anderer Meinung: Sie machen den selbst ernannten Heiler für den Tod von Hunderten Menschen verantwortlich. In Frankreich, Deutschland, der Schweiz und in Österreich bestehen Haftbefehle gegen ihn. „In Spanien“, sagt Hamer, „sind die Gesetze großzügiger. Ich werde hier von der Justiz nicht verfolgt und in meiner Arbeit behindert ...“ Und Arbeit gibt’s für den Deutschen angeblich auch im sonnigen Süden genug.
„Habe Hunderte Patienten.“
Dutzende Krebskranke aus allen Teilen der Welt würden ihn monatlich nämlich um Therapievorschläge bitten; außerdem gäbe es „in ganz Europa und mittlerweile sogar in den USA“ genügend Ärzte, die nach Hamers Lehre praktizieren und laufend in Rücksprache mit ihm wären; und in heiklen Fällen würden diese Mediziner mit ihren Patienten mitunter sogar nach Alhaurin el Grande reisen – damit der „Meister“ auf direktem Wege die benötigten Krankheitsanalysen erstellen kann. Dementsprechend gestresst gibt sich der „Heiler“, als er mit einstündiger Verspätung zum NEWS-Interviewtermin erscheint. „Ich hatte“, erklärte er, „wichtige Telefonate mit Kanada zu führen...“
Dennoch: Obwohl er, wie er behauptet, quasi von überall und dauernd nach seinem medizinischen Rat gefragt wird, wirkt er verarmt: Die Kleidung ist abgetragen, das Zuhause bescheiden, der Wagen schon fast dreißig Jahre alt. „Ich war einmal wohlhabend“, sagte Hamer, „doch durch diese Verfolgung gegen mich habe ich in den vergangenen Jahren alles, was mir gehörte, verloren. Ich lebe jetzt von 900 Mark Rente im Monat. Meine Patienten behandle ich umsonst.“ Und immer gleich.
Denn für ihn sind Krebsgeschwüre ja „Sinnvolle biologische Sonderprogramme“, die nach Schockerlebnissen entstehen und innerhalb kurzer Zeit sowieso von selbst wieder verschwinden. Dementsprechend einfach ist sein „Heilungsrezept“: „Abwarten – und alles wird gut.“
Und wieder ein neuer Fall.
Eine These, an die Schwerkranke in ihrer Not gerne glauben. Wie jener Schweizer, der derzeit bei Hamer in Alhaurin el Grande weilt. Vor drei Wochen wurde ihm ein rasch wachsender Gehirntumor festgestellt, der bereits so stark auf die Nervenbahnen drückt, dass der Mann schon halbseitig gelähmt ist. Die Ärzte in seiner Heimat wollten ihn sofort operieren – aber keine Garantie für eine Heilung abgeben: „Es hieß, ich habe eine Fifty-fifty-Überlebenschance. Und dann hat mir meine Frau von Herrn Doktor Hamer erzählt ...“
Jedenfalls: Der Eingriff wurde verweigert – das Ehepaar reiste vor wenigen Tagen nach Spanien. Die Diagnose, die da gestellt wurde, war so viel angenehmer als die aus der Schweiz: „Aufgrund eines beruflichen Positions-Konflikts hat sich eine Geschwulst gebildet, die aber schon schrumpft und bald völlig verschwunden sein wird.“ Der Patient glaubt daran – und will sogar schon erste Anzeichen von Genesung festgestellt haben: „Ich kann sogar wieder ein wenig meine linke Hand bewegen.“
Und Ryke Geerd Hamer fühlt sich wieder einmal bestätigt, in seiner „Neuen Medizin“. „Die“, sagt er, „die einzige Medizin ist, die die Menschen verstehen. Weil sie so überhaupt nicht kompliziert ist. Und weil sie so viel Hoffnung gibt ...“
Martina Prewein, Spanien
Interview mit Ryke Geerd Hamer in Spanien
„Auch Klestil wurde so geheilt ...“
Der gesuchte „Arzt“ über seine Patienten und seine Erfolge
NEWS: In halb Europa bestehen Haftbefehle gegen Sie. In Spanien haben Sie „Asyl“ bekommen. Wie leben Sie hier?
Hamer: Ich lebe von 900 Mark Rente monatlich. Sonst habe ich kein Geld. Meine Patienten behandle ich umsonst.
NEWS: Haben Sie überhaupt noch Patienten?
Hamer: Tausende. Meine Bücher von der „Neuen Medizin“ verkaufe ich – zum Selbstkostenpreis – rund um den Globus. Denn es gibt immer mehr Menschen, darunter auch viele Ärzte, die erkennen, dass meine Lehre die einzig richtige ist.
NEWS: Praktizieren Sie damit indirekt auch noch in Österreich?
Hamer: Erst vor wenigen Wochen war ein Österreicher, der an Krebs leidet, bei mir – um sich Rat zu holen.
NEWS: Die Gerichte machen Sie für den Tod von Hunderten Menschen verantwortlich.
Hamer: Das Gegenteil ist der Fall: Ich habe viele Tausenden Menschen das Leben gerettet. Und nur deshalb werde ich verfolgt – von den Israelis, die ja die ganze Welt beherrschen. Sie verhindern, dass auch Nicht-Israelis nach meiner Lehre behandelt werden. Die Israelis aber behandeln ja nach meinen Erkenntnissen. Weswegen auch kaum einer von ihnen mehr an Krebs stirbt.
NEWS: Aber es ist doch sogar die Witwe eines israelischen Staatschefs an Krebs gestorben.
Hamer: Das wird erzählt. Genauso wie die Geschichte um die Krankheit des österreichischen Bundespräsidenten. Klestil hatte niemals ein Virus – sondern Lungenkrebs. Aber das wurde bewusst verschwiegen, weil auch er im Geheimen nach der „Neuen Medizin“ behandelt wurde.
NEWS: Als Sie selbst vor zwanzig Jahren an Krebs erkrankt waren, haben Sie sich schulmedizinisch behandeln lassen.
Hamer: Damals war ich noch ein Unwissender. Da war ich ja noch selbst ein Schulmediziner. Die Krankheit brach bei mir aus, nachdem mein geliebter Sohn Dirk gestorben war. In der Aufarbeitung erkannte ich dann, dass dieses Schockerlebnis den Krebs bei mir ausgelöst hatte. So bin ich zur „Neuen Medizin“ gekommen. Weil ich damit anderen Menschen helfen wollte, hat man mir die Approbation entzogen und mich zu verfolgen begonnen.
Doch lange wird diese Hetze gegen mich nicht mehr funktionieren. Denn ich spüre es: Meine Zeit kommt. Und zwar sehr bald.
Interview: Hamer im Gespräch mit NEWS-Reporterin Martina Prewein.
Anmerkung H. Pilhar:
Gerüchteweise heißt es, NEWS sei die Abkürzung für "Nicht Ein Wort Stimmt".