Kommentar zum untenstehenden Artikel:
Ohne jegliches naturwissenschaftliches Fachwissen glänzen die jungen Journalistinnen mit ihrem angeblichen Investigativjournalismus, der nichts anderes ist, als Schlagzeilen zu lesen und alte Rufmordartikel aufzuwärmen. Erfahrene Journalisten müssen sich die Hände nicht mehr schmutzig machen, das übernehmen die Spezialisten, die frisch aus der Schule kommen. Sie urteilen über Menschen, die sie weder kennen noch interviewt haben - die ihre Eltern oder Großeltern sein könnten und ihnen u. a. an Bildung weit überlegen sind.
Mit solchen jugendlichen Stümpereien wird man nicht berühmt, sondern ist Lakaie der niederträchtigen Propaganda gegen die Germanische Heilkunde.
Pilgerort für Pseudo-Krebsheiler
Fränkische Landeszeitung, 03.06.2026
Irrlehre Der Gründer der Germanischen Neuen Medizin studierte in Erlangen. Bis heute besuchen Anhänger sein Grab.
VON NINA EICHENMÜLLER UND NINA KAMMLEITER
ERLANGEN – Ein frischer Blumenstrauß liegt auf dem Grab im Erlanger Westfriedhof im Stadtteil Steudach. Es ist der 17. Mai, der Geburtstag des Verstorbenen, der hier begraben liegt, und der laut Inschrift auf der Rückseite des Grabsteins die „größte Entdeckung der Menschheitsgeschichte” gemacht hat. Unscheinbar, aber gepflegt liegt die letzte Ruhestätte unter den großen Bäumen des Friedhofs.
Vor genau einem Jahr fand an diesem Tag ein Festakt statt, begleitet von Streich- und Blasinstrumenten kamen zahlreiche Menschen zu Ehren des Verstorbenen zusammen, wie ein Video des Treffens zeigt. 90 Jahre alt wäre Ryke Geerd Hamer an diesem Tag geworden, der Begründer der Germanischen Neuen Medizin, der hier in Erlangen begraben liegt.
Anmerkung: Dr.med. Mag.theol. Ryke Geerd Hamer wurden nie seine Titel aberkannt!
Auch knapp neun Jahre nach seinem Tod ist das Grab immer noch eine Anlaufstelle für Anhängerinnen und Anhänger des umstrittenen Mediziners, der unter anderem mit seinen „Eisernen Regeln des Krebs” wissenschaftlich widerlegte Heilmethoden praktizierte und damit eine große Gefolgschaft fand.
Anmerkung: Die ERK wurde noch nie wissenschaftlich widerlegt - im Gegenteil, sie gilt als anerkannt: The Scientific World Journal.
Auch nachdem er seine ärztliche Zulassung verloren hatte, behandelte Hamer weiterhin Patienten und wurde unter anderem wegen Betrugs und illegaler Praktiken verurteilt. Wie viele Menschen durch seine Pseudobehandlung gestorben sind, ist unklar, Experten gehen von mehreren Dutzend bis Hunderten aus. Die Dunkelziffer ist hoch. [zum Vergleich: siehe Aussage von Anwalt Mendel]
Doch welche Verbindung hat dieser Mann zur Region und warum liegt er auf dem Westfriedhof in Erlangen begraben? Als Begründer der Germanischen Neuen Medizin (GNM) hat Ryke Geerd Hamer in den 1980er und 90er Jahren vor allem in Deutschland und Österreich Bekanntheit erlangt. 1935 in der Nähe von Düsseldorf geboren, studierte er in den 50er Jahren Humanmedizin, Theologie und Physik, zunächst in Tübingen, später wechselt er gemeinsam mit seiner Partnerin Sigrid Oldenburg an die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen.
Wie Hamer selbst in einem Buch „Einer gegen Alle - die Erkenntnisunterdrückung der Neuen Medizin” im Jahr 2005 schildert, hat der Umzug nach Erlangen vor allem finanzielle Gründe: Das Paar ist knapp bei Kasse, und Oldenburg, die ebenfalls Medizin studiert, ist schwanger.
Mit dem Wechsel in die Hugenottenstadt will Hamer schneller einen Abschluss in seinem Studienfach Theologie erreichen. Aus seinem Buch geht hervor, dass die beiden eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Erlanger Schuhstraße beziehen. Im Mai 1957 werden Hamer und Oldenburg in der Neustädter Kirche in Erlangen von Pfarrer Althaus getraut.
In Hamers Buch finden sich Schnappschüsse des Paars im Erlanger Schlossgarten, vor der Kirche und auf ihrer anschließenden Hochzeitsreise in die Fränkische Schweiz. Im September kommt ihre erste Tochter, Birgit Hamer, in Erlangen zur Welt. Später verlässt die Familie Franken, Hamer erhält 1961 seine Approbation und praktiziert gemeinsam mit seiner Frau unter anderem in Heidelberg. Das Paar hat inzwischen vier Kinder.
1978 bringt dann ein Ereignis den Stein ins Rollen, der in die Entstehung der Germanischen Neuen Medizin mündet: Hamers Sohn Dirk stirbt im Alter von 19 Jahren an den Folgen einer Schussverletzung. Kurze Zeit später wird bei Hamer Hodenkrebs diagnostiziert, ein Tumor wird chirurgisch entfernt.
In dem Tod seines Sohnes und seiner eigenen Krebserkrankung sieht Hamer später einen direkten Zusammenhang. Damit entsteht eine der Kernthesen der GNM: der Glaube, dass Krankheiten durch psychische Schockerlebnisse ausgelöst werden.
Hamer vertritt die These, dass Medikamente oder Eingriffe unnötig seien, stattdessen müsse man seine inneren Konflikte auflösen, um Heilung zu erlangen. Anmerkung: dieser Wortlaut stammt von den Zweisteinen, nicht von Dr. Hamer!
Besonders die Behandlung von Krebs mit Chemo- und Strahlentherapie lehnt er entschieden ab.
In seiner Argumentation bedient sich Hamer dabei auch immer wieder antisemitischer Aussagen, wie sie auch in seinem Buch zu finden sind: Die „Neue Medizin”, wie er sie anfangs noch nennt, werde „durch Rufmord und Desinformationskampagnen für Nichtjuden durch die gesamte jüdische Presse unterdrückt”.
So schreibt er unter anderem, „dass die Juden mit der Erkenntnis der Neuen Medizin zu 98% Krebs überleben, während die Nichtjuden zu 98% mit Chemo und Morphium sterben”.
Hamers Theorien zur GNM sind nach heutigem Erkenntnisstand widerlegt. [Anmerkung: Das ist eine dreiste Lüge.]
„Das Vertrauen auf die Heilungskräfte der Germanischen Neuen Medizin verhindert, dass Patienten eine für sie angemessene je nach Tumorsituation kurative oder palliative Therapie bekommen”, schreibt etwa die deutsche Krebsgesellschaft in einem Statement. „Deshalb ist die ‚Germanische Neue Medizin’ mit allem Nachdruck als gefährlich und unethisch zurückzuweisen.”
Unter dem Namen „Das Hamer-Syndrom und die Eiserne Regel des Krebs” reicht der Mediziner seine Theorie als Habilitationsschrift an der Universität Tübingen ein, die jedoch abgelehnt wird. Erfolglos versucht Hamer, rechtlich dagegen vorzugehen. Dennoch hält er weiter an seiner These zur Entstehung von Krebs fest und wendet sie bald auf sämtliche Krankheiten an.
An verschiedenen Orten in Deutschland und Österreich behandelt er erkrankte Menschen, meist Krebspatienten. Internationale Aufmerksamkeit erhält Hamers Krebstheorie 1995 durch den Fall Olivia Pilhar, deren Eltern aufgrund der GNM und Hamers Rat die medizinische Behandlung ihrer krebskranken Tochter verweigern.
Hamer gründet mehrere Privatkliniken in Deutschland. Wie eine Recherche des „Stern” 1983 zeigt, sind in einer dieser Kliniken von 50 Patienten nach kurzer Zeit nur noch sieben am Leben. Immer wieder wechselt Hamer den Standort, wenn seine Therapie fehlschlägt schreibt der „Stern” damals. Trotz dieser Misserfolge findet er immer mehr Anhänger, oft Schwerkranke, die in seiner Theorie die letzte Hoffnung auf Genesung sehen.
1986 wird Hamer die Zulassung als Arzt entzogen. Doch er praktiziert weiter, wird in Deutschland mehrfach verhaftet und verlässt daraufhin das Land. Nun ist er unter anderem in Spanien aktiv, auch in Frankreich, wo er einige Jahre in Haft sitzt. 2007 geht er nach Norwegen, um sich mehreren Strafverfahren zu entziehen. Im Alter von 82 Jahren stirbt Hamer dort.
Auch nach seinem Tod findet Hamers Germanische Neue Medizin trotz fehlender Belege immer weiter neue Anhängerinnen und Anhänger. Aufgrund der antisemitischen Positionen Hamers gibt es unter seinen Fans teilweise Überschneidungen mit der rechtsextremen Szene.
So zeigt etwa eine aktuelle Studie des Instituts for Strategic Dialogue (ISD) mit Sitz unter anderem in Berlin, dass die GNM zunehmend über digitale Kanäle, speziell über Telegram, verbreitet wird. Die 13 untersuchten Kanäle zählten zusammen rund 1000 und fast 50.000 Mitglieder, Tendenz steigend. Im Mittelpunkt der Narrative stand die unwissenschaftliche Behauptung, dass „innere emotionale Konflikte” Krankheiten verursachen.
Anmerkung: dieser Wortlaut stammt nicht von Dr. Hamer! Bei der "Recherche" auf Telegram ist man wohl großteils auf die Zweisteine gestoßen...?
Die Studie kommt auch zum Ergebnis, dass die Kanäle der GNM Verschwörungstheorien und rechtsextreme Ideologien verbreiten.
Für seine Fans gilt Hamer dennoch weiterhin als Wunderheiler. Zu seiner Beerdigung am 14. Juli 2017 reisen Hunderte Menschen nach Mittelfranken. Warum Hamer ausgerechnet hier seine letzte Ruhe finden wollte, erklären Wegbegleiter des Mediziners unter unter anderem damit, dass Erlangen als Ort seiner Hochzeit, seines Studiums und seiner Familiengründung der „Ort seines größten Glückes” gewesen sei.
Bildunterschriften
• (großes Foto): Zur Beerdigung von Ryke Geerd Hamer, dem Begründer der Germanischen Neuen Medizin, reisten Hunderte Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus zum Erlanger Westfriedhof. – Foto: Screenshot YouTube
• (Grabstein): Am 17. Mai versammeln sich jedes Jahr Anhänger der „Germanischen Neuen Medizin” am Erlanger Westfriedhof, um den umstrittenen „Heiler” Ryke Geerd Hamer zu ehren. – Foto: Nina Eichenmüller